Mut und Hoffnung

Leben schenken im Caritas Baby Hospital Bethlehem

 
Im einzigen Kinderkrankenhaus Palästinas erhalten jährlich rund 50.000 Babys und Kinder bestmögliche medizinische und psychosoziale Behandlung – ungeachtet der religiösen und wirtschaftlichen Herkunft ihrer Eltern. Es gehört zum Klinikkonzept, dass Mütter möglichst eng in die ambulanten und stationären Behandlungen ihrer Kinder einbezogen werden. Enas ist 28 Jahre alt, als ihr Sohn in der 25. Schwangerschaftswoche mit 650 Gramm Gewicht geboren wurde. Mit der Frühgeburt beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Dass ihr Sohn Mohammed heute munter durch sein Elternhaus in Hebron krabbelt, hat er der Hartnäckigkeit und dem Engagement seiner Eltern zu verdanken: Sie glaubten trotz kritischem Zustand an ihr Frühchen, gaben nicht auf und nahmen alle notwendigen Hürden, damit Mohammed im Caritas Baby Hospital behandelt werden konnte. In einem anderen Krankenhaus wurde ihnen gesagt, dass "Mohammed nicht verlegt wird, da er eh sterben wird". Die Krankenhäuser in der Umgebung weigern sich den Kleinen aufzunehmen - aus Angst vor einem weiteren Toten in der Statistik. Nur das Caritas Baby Hospital in Bethlehem wäre als Spezialklinik noch eine Möglichkeit. Doch es ist voll belegt.
 
Der Zeitdruck steigt: Während die Zaloums noch verzweifelt mit dem Schicksal hadern, wird im Caritas Baby Hospital ein Brutkasten frei. Enas bleibt zur Nachsorge in Hebron, Odai macht sich mit dem Krankenwagen und seinem neugeborenen Sohn auf nach Bethlehem. Für Mohammeds Überlebenschancen zählt jede Sekunde. Allerdings dauert die Kontrolle am Checkpoint. Erst nach einer halben Stunde dürfen Odai und Mohammed passieren. Zu Fuß trägt der Vater sein Baby an den Soldaten vorbei, zusammen mit der mobilen Sauerstoffversorgung, mit der Mohammed während des Transports beatmet wird. Ein zweiter Krankenwagen nimmt sie auf der anderen Seite des Checkpoints in Empfang. „Die Strecke war unglaublich hart, aber Gott machte sie leicht und gab mir den Glauben, dass Mohammed überlebtˮ, sagt Odai.  Mohammeds Zustand ist kritisch, als er in Bethlehem ankommt. Auf der Intensivstation wird er künstlich beatmet. Enas, die sich in Hebron noch von der Geburt erholen muss, informiert sich telefonisch im Caritas Baby Hospital bei der Neonatologin Dr. Amal Fawadleh über die Situation. Bis heute hat sie die Nummer der Ärztin und denkt an ihr Versprechen, sich jederzeit melden zu dürfen. Vier Tage nach der Verlegung sieht Enas ihren Sohn zum ersten Mal. Sie ist überwältigt von ihren Gefühlen, als Mohammed mit beiden Händen nach ihren Fingern greift: „Er hat gespürt, dass ich da bin.ˮ  
 
Im Caritas Baby Hospital beeindruckt die Frau mit ihrer positiven Energie das Team. „Ich habe immer weitergelesen. Ich wollte zum Beispiel verstehen, wie ich stillen kann, wenn mein Baby im Brutkasten liegt.ˮ Enas bringt die Muttermilch, die sie in sterile Spezialbeutel abgepumpt hat. Und möchte mit Mohammed die Känguru-Methode ausprobieren, bei der Frühgeborene Haut an Haut an ihre Mutter gelegt werden, um die Nähe zu spüren. Es ist eine bewährte Methode, die die Überlebenschancen erhöht und der Entwicklung hilft.  Mohammed übersteht die ersten zehn Tage, die für ein Frühgeborenes wie ihn besonders kritisch sind. Die Ärzte behandeln seinen Herzfehler: ein Blutgefäß schließt sich seit seiner Geburt nicht von allein. Schrittweise kann die künstliche Beatmung heruntergefahren werden, bis Mohammed selbstständig atmet. Um seine Entwicklung zu unterstützen, stimuliert ein Ernährungstherapeut mit physiotherapeutischen Übungen die Mund- und Gesichtsmuskulatur, bis Mohammed gestillt werden kann.
 
Enas und Odai nehmen so oft es geht den Weg auf sich, um bei ihrem Sohn zu sein. Einen Teil der Zeit kann Enas in der krankenhauseigenen Mütterabteilung übernachten. Geweint habe sie in all der Zeit nur ein einziges Mal: „Als wir zur geplanten Entlassung Mohammeds nach Bethlehem kamen und er wegen einer Infektion doch noch eine Woche bleiben musste.ˮ 143 Tage später darf Mohammed nach Hause. 3.460 Gramm wiegt er jetzt. Bis er aufholt, werden bis zu zwei Jahre vergehen. „Das war das Wichtigste, was sie mir im Kinderkrankenhaus beigebracht haben: Mohammed nicht nach seinem kalendarischen Geburtstag zu behandeln, sondern sein Alter ab dem eigentlichen Geburtstermin zu rechnen.ˮ Follow-ups mit den Spezialisten im Caritas Baby Hospital, Körperübungen, Physiotherapie und Massagen gehören zu den Hilfen, die das Krankenhaus der Familie mitgegeben hat, um Entwicklungsverzögerungen zu vermeiden. Ob in den Armen seiner Eltern oder beim Küsschen von Schwester Remin: Mohammed Zaloum strahlt vergnügt. Nichts lässt beim Anblick des 15-Monate alten Lockenkopfs aus Hebron auf seinen schwierigen Start ins Leben schließen. 
 
Finanziert und betrieben wird das Caritas Baby Hospital von dem christlichen Hilfswerk Kinderhilfe Bethlehem. Nur dank Spenden können die Klinikmitarbeitenden in Bethlehem tagtäglich ihr Versprechen einlösen: Wir sind da. Wir freuen uns weiterhin über Ihre Spende! Zahlungsempfänger Ihrer Spende ist die Erzdiözese Freiburg, Ihre Spende wird in voller Höhe an die Kinderhilfe Bethlehem weitergeleitet.